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Dr. med. Jana Schader: «Chirurgie ist auch ein Handwerk, das man regelmässig üben muss.»
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«Chirurgie ist auch ein Handwerk, das man regelmässig üben muss.»

Für viele angehende Chirurginnen und Chirurgen gehört die Kombination aus klinischer Arbeit und praktischen chirurgischen Übungen zum Kern ihrer Ausbildung. Operative Fertigkeiten eignet man sich nicht über Nacht an, sondern baut diese während der Assistenzzeit über einzelne Lernerfahrungen hinweg schrittweise auf. Genau diese Form des Lernens prägte auch den Werdegang von Dr. med. Jana Schader, die heute als Oberärztin in Vertretung (i.V.) an der Universitätsklinik Balgrist und als Fachverantwortliche Aus- und Weiterbildung (Medical Education Lead) im OR-X tätig ist.

Beitrag von Navin Joshi, Branding

Einstieg in die Orthopädie zum richtigen Zeitpunkt

Als Jana Schader vor drei Jahren an die Universitätsklinik Balgrist kam, befand sie sich in einer Phase ihrer chirurgischen Weiterbildung, in der angehende Orthopädinnen und Orthopäden beginnen, operative Abläufe zu verstehen und erste eigene Schritte im OP zu übernehmen. Durch ihre Erfahrungen im klinischen Alltag wurde ihr schnell bewusst, wie wertvoll es ist, einzelne Eingriffe ausserhalb des OPs in Ruhe üben und wiederholen zu können. Rückblickend sagt sie: «Viele Schritte eines chirurgischen Eingriffes versteht man erst richtig, wenn man sie selbst mehrmals durchgeführt hat.»

Damals waren praktische Trainings jedoch mit erheblichem organisatorischem und zeitlichem Aufwand verbunden. Assistenzärztinnen und Assistenzärzte aus der gesamten Region Zürich fuhren nach einem intensiven Arbeitstag an den Campus Irchel der Universität Zürich, um dort zu trainieren. Inhalte, Abläufe und Material waren zu dieser Zeit noch wenig strukturiert und fügten sich oft erst im Verlauf des Kurses zu einem Ganzen. Mit der Eröffnung des Operating Room X (OR-X), dem chirurgischen Trainings- und Forschungszentrum der Universitätsklinik Balgrist, im Jahre 2023 änderte sich dies grundlegend. Erstmals stand dem chirurgischen Nachwuchs eine eigene, realistische Lernumgebung zur Verfügung, in der operatives Handwerk systematisch, sicher und ohne Zeitdruck geübt werden konnte. Zwei Momente aus den ersten Kursen blieben Schader bis heute besonders präsent:

«Im Fusskurs die ersten Osteotomien wie in einem echten OP selbst zu sägen und im Wirbelsäulenkurs einmal die 360-Grad-Anatomie sowie kritische Strukturen zu explorieren, waren für mich Erfahrungen, die mir eine neue Sicherheit für meinen klinischen Alltag gegeben haben.»

Diese Erlebnisse zeigten ihr, wie wichtig ein geschützter Trainingsraum ist, in dem Fehler erlaubt sind und Lernen ohne zeitlichen Druck stattfinden kann. «Ein sicherer und zugleich realistischer Trainingsraum verändert die Lernkurve grundlegend,» sagt sie. Dieses Verständnis prägte ihre Haltung zur chirurgischen Ausbildung nachhaltig.

Von der Kursteilnehmerin zur Lehrverantwortlichen

Heute steht Schader auf der anderen Seite der Kurse: Als Oberärztin i.V. und Medical Education Lead verantwortet sie das orthopädische Assistenzarzt-Curriculum im OR-X mit seinen 25 Kursen pro Jahr. Ihre eigenen Erfahrungen aus der Zeit als Assistenzärztin sind ihr dabei ein zentraler Kompass für die Organisation und Planung: «Ich kenne die Bedürfnisse der Assistenzärztinnen und Assistenzärzte sehr gut und weiss, welche Inhalte für die Prüfungsvorbereitung und den klinischen Alltag wirklich wichtig sind.»

Bild I: Im Austausch mit Assistenzärztinnen und -ärzten während eines Kurses im OR-X

Bereits während ihres Bewerbungsgesprächs vor vier Jahren bei Prof. Mazda Farshad, dem medizinischen Spitaldirektor, hatte sie den Wunsch geäussert, sich einmal im OR-X einbringen zu dürfen. Die Chance, das Curriculum zu übernehmen, sah sie deshalb als konsequente Weiterentwicklung ihres Engagements in der medizinischen Ausbildung. Heute gestaltet sie die Kurse nicht nur organisatorisch, sondern entwickelt sie zusammen mit ihrem Team inhaltlich mit zusätzlichen Techniken, neuen Lernzielen und modernem Instrumentarium weiter.

Mehr zu den Assistenzkursen

Was die heutige Chirurgin und Lehrverantwortliche dabei antreibt, ist der Wunsch, die Weiterbildung junger Orthopädinnen und Orthopäden praxisnaher, strukturierter und fachlich fundierter zu gestalten. Gleichzeitig möchte sie langfristig auch die Wirksamkeit der Kurse wissenschaftlich dokumentieren.

«Wir wissen aus Erfahrungen und Feedbacks der Teilnehmenden, dass die Trainings helfen. In Zukunft möchten wir diesen Effekt auch messbar machen.»

Wenn klinische Erfahrung und Forschung zusammenfinden

Neben ihrer Tätigkeit im OP und in der chirurgischen Weiterbildung arbeitet Schader auch in der Forschungsgruppe Spine Biomechanics von PD Dr. Jonas Widmer am Balgrist Campus, wo sie im Rahmen ihres PhD eine neue chirurgische Technik entwickelt, die langfristig eine Alternative zu bestimmten Versteifungsoperationen der Wirbelsäule schaffen könnte. Der Übergang zwischen klinischer Tätigkeit und Forschung ist für sie fliessend. Vieles, was sie am Operationstisch erlebt, findet seinen Weg direkt in ihre wissenschaftliche Arbeit.

«Viele Fragestellungen ergeben sich direkt aus dem, was wir täglich im OP und in der Sprechstunde sehen. In der Forschung kann ich diese Probleme im Detail untersuchen und Ansätze entwickeln, die das Ergebnis für Patientinnen und Patienten verbessern könnten.»

Diese Verbindung beider Welten hat für die klinische Forscherin (engl. Physician Scientist) auch einen unmittelbaren Einfluss auf die Versorgung im klinischen Alltag. Wenn sie biomechanische Zusammenhänge oder die Ursachen einer Erkrankung besser versteht, kann sie Patientinnen und Patienten nicht nur besser beraten, sondern auch operative Entscheidungen präziser einordnen. «Das hilft mir im Umgang mit Patientinnen und Patienten, weil ich ihnen oft mehr Hintergrundwissen mitgeben kann,» sagt sie. Für Schader zeigt sich darin deutlich, dass Forschung nicht allein der Innovation dient, sondern ebenso die Qualität des chirurgischen Handelns stärkt. Gleichzeitig spiegelt ihr wissenschaftliches Engagement einen allgemeinen Wandel in der chirurgischen Weiter- und Ausbildung wider. Chirurginnen und Chirurgen benötigen heute zunehmend Kompetenzen, die über das rein Operative hinausgehen. Schader erlebt das täglich: «Schon im Studium wird heutzutage vermittelt, dass wir nicht nur medizinisches Wissen brauchen, sondern auch Kompetenzen in Ingenieurwissenschaften, Ökonomie, Teamführung und anderen Soft Skills.»

Bild II: Als klinische Forscherin arbeitet Jana Schader an Lösungen für eine bessere Behandlung Ihrer Patientinnen und Patienten

Diese Breite an Fähigkeiten sei für moderne Ausbildungswege unverzichtbar und schaffe die Grundlage dafür, klinische Herausforderungen interdisziplinär zu verstehen. Das Forschungsökosystem am Balgrist bietet dafür ideale Bedingungen. Die räumliche Nähe von Klinik, Forschung und Technologieentwicklung unterstützt, durch Partner wie der ETH Zürich und Universität Zürich, ermöglicht einen Austausch, der in dieser Form selten ist. Hier entstehen neue Ideen nicht im isolierten Labor, sondern im praktischen Dialog zwischen Chirurgie, Biomechanik, Computerwissenschaften und Industrie.

Blick nach vorn mit einem persönlichen Ziel

Wenn Schader über die Zukunft der chirurgischen Weiterbildung spricht, richtet sich ihr Blick sowohl auf strukturelle als auch technologische Entwicklungen. Für sie steht fest, dass praktische Ausbildung auch künftig einen zentralen Stellenwert behalten wird, idealerweise mit noch moderneren Übungsformaten, die den klinischen Alltag sinnvoll ergänzen. «Simulationen mit realistischem Feedback oder niedrigschwellige Trainingsangebote könnten das Lernen noch flexibler und zugänglicher machen», sagt sie.

Besonders am Herzen liegt ihr dabei ein konkretes Projekt: ein Surgical Gym im Umfeld des OR-X. Ein Raum, der Chirurginnen und Chirurgen rund um die Uhr offensteht und kontinuierliches Üben ermöglicht – ähnlich dem Training im Leistungssport. «Regelmässiges, selbstständiges Üben ist entscheidend, um operative Sicherheit aufzubauen», betont sie. Ein solcher Ort würde nicht nur die Kursangebote ergänzen, sondern individuelle Lernprozesse langfristig stärken.

Bild III: Das Durchführen einer Schulterarthroskopie am Simulator, wie sie künftig auch im Surgical Gym möglich sein könnte.

Mit ihrem Engagement verbindet Jana Schader klinische Erfahrung, Forschung und Ausbildungsarbeit. Diese Kombination gewinnt in der chirurgischen Weiterbildung zunehmend an Bedeutung. Ihr Weg zeigt, wie sich operative Ausbildung weiterentwickeln kann: praxisnah, wissenschaftlich fundiert und mit einem klaren Fokus darauf, junge Chirurginnen und Chirurgen optimal auf ihre Verantwortung im klinischen Alltag vorzubereiten.