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Ältere Frau beim Prähab-Training
TherapienBewegungGesundheit

Fit in die Operation: Warum Vorbereitung über den Erfolg entscheidet

Viele Patientinnen und Patienten bereiten sich mental auf eine Operation vor. Doch auch die körperliche Fitness spielt eine ebenso wichtige Rolle. Mit gezieltem Training kann man sich aktiv auf einen Eingriff vorbereiten. Dieses Konzept nennt sich Prähabilitation, kurz Prähab. Studien zeigen: Wer vor einer Operation trainiert und den Körper stärkt, ist danach oft schneller wieder mobil und findet rascher in den Alltag zurück.

Beitrag von Priska Scherzer, Branding

Gut vorbereitet in den Eingriff

Eine Operation ist nicht nur eine mentale, sondern auch eine körperliche Belastung. Deshalb ist es wichtig, mit optimalen Voraussetzungen in den Eingriff zu gehen. Eine Prähab unterstützt Patientinnen und Patienten dabei, ihre körperliche und mentale Leistungs- und Funktionsfähigkeit zu stärken. Das fördert auch das Selbstvertrauen und gibt innere Sicherheit für die bevorstehende Operation.

«Je besser Patientinnen und Patienten vorbereitet sind und sich auf den eigenen Körper verlassen können, desto leichter fällt es ihnen, nach dem Eingriff wieder selbständig in den Alltag zurückzufinden», sagt Prof. Johannes Scherr, Leiter Universitäres Zentrum für Prävention und Sportmedizin.  

Prähabilitation ist mehr als Training

Prähab bedeutet mehr als ein paar Übungen vor der Operation. Entscheidend ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ein Prähab-Programm besteht aus verschiedenen Schwerpunkten, die auf die persönlichen Bedürfnisse und die körperliche Leistungsfähigkeit abgestimmt sind. Die einzelnen Elemente greifen ineinander und werden unterschiedlich kombiniert.

  • Bewegung: Gezieltes Training stärkt die Muskulatur und verbessert die Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit des gesamten Körpers. Das kann die Heilung nach der Operation fördern und Schmerzen reduzieren.
  • Ernährung: Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle. Der Körper benötigt ausreichend Energie und Nährstoffe, um Muskeln aufzubauen und den Heilungsprozess aktiv zu unterstützen. Schon der antike Arzt Hippokrates erkannte die Bedeutung dieses Zusammenspiels: «Wenn wir jedem Individuum das richtige Mass an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundheit gefunden.»
  • Mentale Vorbereitung: Wer gut informiert ist und verschiedene mentale Techniken anwenden kann, fühlt sich sicherer und geht den Eingriff gelassener an. Dazu gehören zum Beispiel Methoden wir Stressreduktion oder Achtsamkeitsübungen.  
  • Schmerzen verstehen: Auch der Umgang mit Schmerzen wird trainiert. Wer versteht, wie Schmerzen entstehen, kann vor und nach der Operation besser damit umgehen und sie gezielter beeinflussen.
  • Edukation: Ein weiterer Bestandteil ist die praktische Vorbereitung auf die Zeit nach der Operation. Patientinnen und Patienten lernen zum Beispiel, wie sie Hilfsmittel richtig einsetzen oder wie sie mit dem operierten Bein sicher aus dem Bett aufstehen.  

Prähabilitation vor einer Knietotalprothese

An der Universitätsklinik Balgrist wird Prähabilitation seit Sommer 2024 für Patientinnen und Patienten angeboten, die eine Knietotalprothese erhalten. Bereits mehr als 350 Betroffene haben das Programm durchgeführt.

Nach einer individuellen Bedarfsabklärung wird das Programm auf die persönliche Situation und Zielsetzung sowie die körperliche Leistungsfähigkeit abgestimmt. Unter fachlicher Anleitung trainieren die Teilnehmenden Kraft, Ausdauer und Koordination. Idealerweise beginnt die Vorbereitung mindestens vier Wochen vor dem geplanten Eingriff.

Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass sie nach Operation rasch wieder in ihren Alltag zurückfinden. Auch sportliche Aktivitäten wie Radfahren sind häufig schon wenige Wochen nach dem Eingriff wieder möglich. Zudem erleben viele eine komplikationsarme Heilung.

Die Vorbereitung endet jedoch nicht mit der Operation. Viele Elemente der Prähabilitation werden auch in der anschliessenden Rehabilitation weitergeführt. Nach einer Knietotalprothese muss sich der Körper zunächst an die neue Situation gewöhnen. Das Gelenk fühlt sich anders an und die Wahrnehmung im Knie verändert sich. Die bereits erlernten Übungen helfen in dieser Phase, Bewegungsabläufe neu zu erlernen und Vertrauen in das Gelenk aufzubauen.

«Wir möchten Patientinnen und Patienten befähigen und ermutigen, selbst aktiv zu ihrer Genesung beizutragen», sagt Johannes Scherr.

Ein Konzept mit Zukunft

Die Forschung und Rückmeldungen von Patientinnen und Patienten zeigen zunehmend, dass Prähabilitation die Zeit nach einer Operation positiv beeinflussen kann. Auf Basis dieser positiven Erfahrungen steht seit Dezember 2025 das Angebot am Balgrist nun auch Patientinnen und Patienten vor Wirbelsäulenoperationen zur Verfügung. In einer ersten Phase richtet sich das Programm an Personen, bei denen eine Spondylodese geplant ist.

«Die Forschung zeigt immer deutlicher, wie wichtig die körperliche und mentale Vorbereitung auf eine Operation ist. Vieles, was wir aus der Sportmedizin und aus der Betreuung von Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern kennen, lässt sich in konkrete Programme für unsere Patientinnen und Patienten übertragen», sagt Johannes Scherr.

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Prof. Dr. med. Johannes Scherr ist Leiter des Universitären Zentrum für Prävention und Sportmedizin der Universitätsklinik Balgrist. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Sport- und Ernährungsmedizin und anerkannter universitärer Sportmediziner. Neben seiner klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit verfügt er über eine langjährige Erfahrung in der Betreuung von Spitzenathletinnen und Spitzenathleten. Er und sein Team betreuen unter anderem renommierte Sportverbände und waren bei mehreren Olympischen Spielen im Einsatz.